Woher…Wohin?

Nur noch 6 Monate oder 6 Monate schon vorbei?

Ich habe die Hälfte meines Jahres hier in Rumänien nun hinter mir und während ich am Anfang eher drauf los gearbeitet habe und mich von Neuem überraschen lassen habe, kommen mir jetzt die ersten Fragen über den Charakter meines Einsatzjahres. Dadurch, dass die Zeit hier für mich so wahnsinnig schnell verstreicht, mache ich vor allem Gedanken über den Sinn meines Wirkens oder was ich vielleicht noch erreichen will. Vor allem dadurch, dass eben die 6 Monate so schnell vergangen sind und ich mich zwar schnell eingearbeitet habe, aber sich seitdem nicht wirklich viel verändert hat, habe ich doch schon das Gefühl mittlerweile, entweder ich müsse noch viel mehr machen oder meine Arbeit wäre nicht wirklich von Nutzen.

Und in diese Phase ist zu Glück das Zwischenseminar für die Osteuropäischen Freiwilligen gefallen (an dem übrigens nicht nur JesuitVolunteers teilnehmen).

Neben dem Erfahrungsaustausch zwischen den Freiwilligen aus verschiedenen Ländern und

Projekten, haben wir vor allem Rückblick, gegenwärtige Situation und Ausblick in unterschiedlichen Formen thematisiert. Dies hat mir zu erst einmal geholfen aus dem vorher bestehenden Gefühl für mich daraus konkrete Fragen zu formulieren und meine bisherige Zeit und Arbeit ausführlich zu reflektieren. Genau hierbei bin ich auf gewisse Fragen gestoßen.

Was habe ich bisher schon erlebt, sei es auf Arbeit oder im privaten Umfeld?

Inwiefern konnte ich mich in meinen Projekten einbringen und was habe ich außerhalb dessen getan?

Wie möchte ich weitermachen?

Habe ich konkrete Ziele vor Augen?

Kann ich überhaupt etwas zusätzliches oder Außergewöhnliches auf meiner Arbeit erreichen oder unterschätzte ich einfach die Hilfe, die ich bisher angeboten habe?

Wer meinen letzten Blogeintrag gelesen hat, hat wahrscheinlich schon herauslesen können, dass sich in letzter Zeit nicht wirklich viel auf meiner Arbeit, vor allem in der Kindertagesstätte geändert hat. Und gerade da treffen die Fragen zu. Am Anfang dachte ich wahrscheinlich, dass wenn ich die Sprache mit der Zeit erlerne, auch mein Aufgabenbereich wesentlich größer wird. Natürlich wurde mir auch immer mehr anvertraut, vor allem was den Unterricht in Mathe betrifft. Trotzdem haben die Kinder das Glück, dass sie in der Tagesstätte ein Projekt haben, was meiner Meinung unglaublich gut organisiert ist und mit viel Liebe geführt wird. Daher gleicht zum Beispiel die Atmosphäre während des Unterrichts, annähernd derer, die ich aus meinen Grundschulzeiten kenne, auch wenn Erziehung und Bildung in Rumänien natürlich anders konzipiert sind.

Davon war ich natürlich schon am Anfang positiv überrascht und auch für die Kinder bedeutet es viel Perspektive. Es heißt, aber auch für mich, dass meine Hilfe meistens gebraucht wird um die Betreuer ein wenig zu entlasten und nicht um das Projekt noch weiter voranzubringen und die Lage wesentlich zu verbessern. Auf der anderen Seite frag ich mich dann natürlich auch, ob das überhaupt das Ziel in so einem Jahr sein kann und ich da nicht einer Utopie unterliege. Kann ich überhaupt zu einer tragenden Säule für das Projekt werden, oder ist das nicht sogar gefährlich eine solche Abhängigkeit zu erzeugen, denn es muss ja auch nach dem Jahr weiter funktionieren auch ohne meine Hilfe?

Und da hat mir das Seminar sehr geholfen, der Austausch mit Leuten in vielleicht genau der selben Situation. Mitte des Seminars, als wir über die Gegenwärtige Situation nachgedacht haben, kam dazu eine Methode zum Einsatz die das unterstützt. Sie besteht aus drei Schritten. Zu erst formuliert jemand aus der Gruppe einen Problemfall. Das kann ein reales Problem, eine Frage oder einfach eine Situation sein, die uns beschäftigt. Die Gruppe darf zum Fall Rückfragen stellen, um mögliche Hintergründe oder Nebeninformationen zu erfahren. Dann wird dies unter Ausschluss des Fragendes in der Gruppe analysiert, ohne direkte Lösungsschläge zu formulieren. Hier geht es vor allem darum die Sichtweise der anderen einzufangen. Fragen sind: Wie geht es dem Fragestellenden in der Situation, wie denen auf die es sich bezieht, mit denen er dies erlebt?

Darauf darf der Fragende nun die Gespräche der Gruppe kommentieren. Was sieht er vielleicht genauso, wo will er widersprechen oder noch eine andere Sichtweise einfließen lassen. Anschließend wird nach Lösungsvorschlägen gesucht. Der Fragende darf am Ende das Thema schließen.

Ich möchte jetzt nicht über konkrete Inhalte dieser Gespräche sprechen, da die Methode vor allem einen intimen Raum schaffen möchte in denen man auch über private Themen sprechen kann.

Aber was meine Fragen jetzt angeht, kann ich sagen, dass mir die Methode und die Gedanken jedes einzelnen in meiner Gruppe sehr weitergeholfen haben.

Das Seminar hat mir gezeigt, dass ich auch die kleinen Dinge, wo ich helfe schon sehr dankbar entgegengenommen werden und manchmal gar nicht Berge versetzt werden müssen, um ein erfolgreichen Einsatz zu gestalten. Auf der anderen Seite kann ich vielleicht auch noch lernen, mich nicht mit einer guten Lage zurechtzufinden (wie in Periam), sondern vielleicht auch da mein Tatendrang zu signalisieren und meinen Blick für die kleinen Dinge zu sensibilisieren, um im Kleinen dann meine Energie und Hilfe einbringen und so dem Einsatz einen weiteren Sinn zu geben.

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